Taijiquan / Taiji



Taijiquan (alte Schreibeweise Tai Chi Chuan, Kurzform Tai Chi) ist eine ca. 600 Jahre alte "innere Kampfkunst". Ihre Quellen sind das Qigong, die Praktiken zur Lebenspflege, und das Wushu, die traditionellen, chinesischen Kampfkünste.

Taiji heißt "das höchste Eine" - damit ist das Naturgesetz von Yin und Yang gemeint. Die zwei Polaritäten, die eine Einheit bilden, weil sie einander erzeugen und balancieren: leicht und schwer, hart und weich, aufnehmen und abgeben, vordringen und zurückweichen... Quan heißt Faust. Sie steht für den Kampf. Taijiquan ist die Kampfkunst, die das Gesetz von Yin und Yang auf eine Kampfsituation anwendet.

Heute wird Taiji hauptsächlich zur Gesundheitsförderung geübt, denn es arbeitet mit demselben ganzheitlichen Ansatz wie das Qigong. Dies beginnt mit einer Grundhaltung der Achtsamkeit. Der Geist wird zunehmend klar und der Körper kann sich entspannen. Die Bewegungen werden wieder weich und fließend - und mit zunehmendem Üben zunehmend mühelos.

Ruhig aber kraftvoll,
entspannt und mühelos,
sich bewegen wie Wasser.
Dies ist das Ideal des Taiji.


Taijiquan als innere Kampfkunst wirft einen Blick darauf, wie Konflikte entstehen, wie es zu einem Gegeneinander der Kräfte kommt - und lässt uns das Miteinander einüben. Ganz praktisch: Der Angreifer dringt vor? Ich weiche zurück. Der Angreiferin zieht an mir? Ich folge diesem Impuls mit einem Schritt.

Wie ich mitgehen kann, ohne mich selbst zu verlieren, zurückweichen und doch bei mir bleiben - wie ich also nachgiebig wie Wasser sein kann und doch genauso kraftvoll: Das übt Taijiquan als Kampfkunst.

Wir gestalten das Training so, dass sich die Erfahrungen des Übens auf viele Situationen des Alltags beziehen lassen. Denn Taijiquan ist Gesundheitsübung, Meditation in Bewegung, Kampfkunst und Lebenskunst.
  Dietlind Zimmermann